Seegeltörn 2019

Die Windprognosen waren eher schwach, doch fast jeden Tag war der Wind etwas stärker als vorausgesagt. Gott sei Dank. Die Routenwahl war wunderbar geführt. 

Törnbericht 2019 

1.Tag: Übernahme Rambo, Sun Odyssey 409

2.Tag: 16.6.19: Heiligenhafen – Marstal. 7.30 – 16.02, 8h32M, 35.9 sm

Schöner Segeltag bei Sonnenschein und W 12kn, später SW 8 kn. Höchstgeschwindigkeit: 8 kn (?!). Marstal angelegt rechts von Rondell, Bug vorn. Abends Grillieren. 

3. Tag: Marstal – Faaborg, 9.25 – 16.45, 7h20M, 27.4sm

Zuerst sonnig, dann leicht bewölkt. SW 8-10kn. Zuerst sehr hart am Wind bis Vesmäs. 
1sm nach Vesmäs: Gennaker gesetzt (11.10). Er war beim ersten Hochziehen verwickelt. Zudem ist er kurz, d.h. wir haben ihn nur bis 2 m unter dem Top hochgezogen. Super Fahrt mit Gennaker, Max. 10kn (?!). 0.5 sm nach Skoldnäs (Nordwestkap von Aerö) fiel der Wind zusammen und wir haben den Gennaker geborgen (15.05). Nur leichte wechselhafte Böen (entspricht Prognosen), daher 15.30 unter Motor. Die Mannschaft erhält den Auftrag ohne Kartenplotter nach Faaborg zu navigieren. Die grösste Herausforderung ist es, die Untiefe westlich von Avernak zu umfahren, denn die Tonnen sind auf der anderen Seite in ca. 1sm Distanz. In Faaborg Marina ist viel Platz. Abends Grillieren. 

4.Tag: Faaborg-Dyvig, 9.15-17.20, 8h 5M, 45.5sm

Segel gleich nach Ausfahrt aus Hafen gesetzt. ESE 12kn, sonnig. Navigation durch Crew, aber mit Hilfe von Plotter. Wir machen kleinen Umweg, damit wir die Fähre nicht im engen Fahrwasser kreuzen. Anspruchsvoll ist es zu navigieren und immer wieder den Kurs und die Segel dem Fahrwasser anzupassen. Vor Nordquadrant Durchfahrt durch Untiefe nach Westen: eine Herausforderung den Weg zu finden. 

Nordöstlich von Lyöby setzen wir den Gennaker. Allerdings stellen wir dann fest, dass der Wind neben der Insel auf Ost gedreht hat. Wir nehmen das Gross mittschiffs, sodass der Gennaker auch platt vor Wind steht, allerdings pendelt er hin und her. Nach der Insel dreht der Wind wieder auf ESE und frischt auf 17kn auf. Ich gehe ans Steuer, um möglichst wenig Höhe zu verlieren, sodass wir die Untiefe (rote Tonne) im Süden umfahren können. Dies geht so knapp mit recht viel Krängung und es ist anstrengend, aber cool, den Kurs zu halten. Bei der Tonne  (1302) Gennaker bergen und dann wieder auf der anderen Seite setzen. Die Crew macht dies gut. Max.9kn unter Gennaker. 

Wir entscheiden, einen Umweg zu segeln, weil der Kurs so schön ist und wir gut Zeit haben. Bei der Untiefe vor Assens (Toro Rev) bergen wir den Gennaker und segeln am Wind nach Dyvig. Bei der Halde nach dem Bergen vom Gennaker hat sich die Führungsschiene der Winsch unerklärlicherweise verbogen, obwohl wir vier Umdrehungen gemacht hatten. Eine notdürftige Reparatur machte sie wieder einsatzfähig. Der Vercharterer reparierte sie nachher ohne etwas zu verrechnen. Halbwegs entwickelt sich aus einem kleinen Schauer westlich von uns ein kräftiges Gewitter, zieht aber von uns weg (15.30). Um 16.00 entwickelt sich auf unserer Luvseite ein weiterer Schauer zu einem leichten Gewitter. Als es zu regnen begann, sandte ich die Crew in die Kabine und habe alleine gesteuert und die Segel bedient. In einigen kurzen Böen musste ich das Gross fieren, da 7 BF. Das ging gut, da die Winsch vom Steuer gut erreichbar ist, zudem der Autopilot eine Hilfe war. 

Die Prognosen im Windfinder waren richtig, was den Wind betrifft, ausser den Gewittern am Abend. 

Der Haven Dyvig Badelaug ist überfüllt, wir erhalten noch den letzten Platz. Halleluja. Im Hafen Dyvig beim Hotel ist noch viel Platz. Abends Grillieren. 

Lange hatte ich mir in Marstal überlegt, ob es gut ist über Faaborg nach Dyvig zu segeln. Der Entscheid war geführt. 

5. Tag: Dyvig – Horuphavn, 9.45 – 16.05, 6h 20 M, 31.3 sm

Das Wetter ist gewitterhaft, auch laut Auskunft Hafenmeister. Auf ca. 16.00 Uhr sind Gewitter zu erwarten. Wind ist auf ca 3 BF prognostiziert, wir haben aber 4-5 BF. Super!

Am Morgen ist es noch gewitterhaft, doch dann hellt es auf. Erst nach dem Auslaufen stellen wir fest, dass westlich noch ein kleines Gewitter vorbeizieht. Wir motoren Vollgas um das Eck und halten so gute Distanz zum Gewitter. Dann Aufkreuzen bis Alssund bei SE 3BF. Kurz vor Alssund frischt der Wind auf 4-5 BF auf. Wir entscheiden trotzdem mit vollen Segeln durch den Alssund zu segeln, dabei müssen wir etwas aufpassen, dass wir ja nie in einer Böe aus dem Ruder laufen und so einem Schiff in Luv gefährlich nahe kommen. 

Kurz vor Ziehbrücke: beide Segel bergen. Wir erreichen die Brücke gerade 11.36, 2 Minuten bevor sie öffnet. Unser Ziel ist Maasholm. Beim Aufkreuzen in kräftigen Wellen bei 4-5BF aus SE kommen wir langsam voran. Gewitterwolken bilden sich in SE. Wir entscheiden nach Horuphav abzudrehen. Wir kreuzen vor dem Wind, sind etwas langsam. Etwa 3sm vor dem Hafen setzen wir den Motor zur Unterstützung ein, bald mit Vollgas. Nehmen die Segel schon 1.5 sm vor dem Hafen herunter, weil das Gewitter sich nähert, ebenso Böen aufkommen. 

Im Hafen wollen wir nicht vorne längs anlegen, da wir dann mit auflandigem Wind liegen würden. Daher fahren wir in den hinteren, engen Teil des Hafens. Ich versuche 180° zu drehen und an Kopfsteg anzulegen. Es gelingt nicht und ich treibe gefährlich seitwärts. Rückwärts gegen den Wind kann ich das Boot wieder sicher steuern. Ich fahre an Poller und lasse das Heck vom Wind herumtreiben. Zwei Minuten nach Anlegen beginnt der Gewitterregen. Ein Blitz schlägt in den Hafen ein und legt das Hafen- Internet lahm, sodass wir die Gebühr nur direkt beim Hafenmeister zahlen können. 

6. Tag: Horuphavn – Bagenkop, 9.20 – 17.00, 7h40M., 46.7 sm, max.9.5kn

Anfangs WSW 4 BF und leicht bewölk, nach einer halben Stunde; Schauer. Später bedeckt. SW 5. Etwa Halbwind. Ca. 12.00 Uhr entdecken wir auf dem AIS einen Nato-Flottenverband mit 8 Schiffen in 12 sm Entfernung. Er fährt nur ca. 5 kn, wendet nach einiger Zeit jeweils um 90°. Wir steuern auf ihn zu und ändern unseren Kurs. In 0.5sm Entfernung drehen wir bei und schiessen unsere Fotos. Dann fahren wir Kurs 30°, raumschots und müssen kurz vor Bagenkop noch eine Halse fahren. Der Wind lässt etwas nach und die Sonne scheint. In Bagenkop sehen wir zuerst nur einen freien Platz – an Kopfsteg neben einer grösseren Yacht. Später entdecke ich weiter hinten mehrere freie Plätze, insbesondere gleich vor dem Kran. Grillplatz vorhanden. 

7. Tag: Bagenkop – Heiligenhafen, 8.50 – 14.25, 5h35M, 29.4sm

Sonnig, SW 2-3. Um 12.45 Uhr: Flaute. Die restlichen 11 sm per Motor: Zeit zum Packen. Am Schluss wieder W 3, aber es lohnt sich nicht mehr, die Segel zu setzen. 

Total 1. Woche: 216.2sm

2. Woche

8. Tag, Sa, Heiligenhafen – Kühlungsborn, 9.20 – 18.12, 8h 52 M, 34.7sm, max. 7.9kn

Nach sorgfältigem Studium der Prognosen fahren wir in die Lübecker Bucht, was sich in den folgenden Tagen als gut erweist, sogar besser als erwartet. Für den heutigen Tag ist NE 2-3 angesagt, aber in Richtung Bagenkop und Marstal am Nachmittag Flaute. 

Sonniges Wetter. N 2 Bf, dann 1 Bf. Mit Motorunterstützung unter Fehmarn-Brücke durch. 11.30: Wind frischt auf NE 2-3 Bf auf, später auf gut 3 Bf. Wir segeln am Wind, ca. 55°. Viele gute Gespräche unterwegs, da es gemütlich ist. 

Der Hafen ist gut besetzt. Wir legen an der Aussenmole neben einem Fischerboot an. Grüne Tafel, aber nahe an unserem Platz rote Tafel. Die Hafenmeisterin sagt: ok. Nach dem Abendessen kommt ein Kutter, der dort den Standplatz hat. Freundlicherweise versucht er irgendwie in der Ecke hinter uns anzulegen und wir verholen unser Schiff 1 m nach vorn. So hat er knapp noch Platz. Eine Yacht, die später in den Hafen kommt legt einfach an der Ostmole bei der Slipprampe an.

Abends planen wir sorgfältig die folgenden Tage. 

9. Tag, So, Kühlungsborn – Gedser , 10.15 – 17.05, 6h 50 M, 36.8sm, max. 8.6 kn

Wie prognostiziert schönes Wetter und ENE 14- 22 kn. 5 Bf. Wir segeln hoch am Wind mit ziemlich Wellengang. Wenig Gespräche, da das Segeln anstrengend ist. Vor dem Windpark müssen wir eine Wende fahren, dann vor Gedser nochmals. Wendewinkel nur 60° wegen hohen Wellen. Die Fahrrinne vom Fährhafen zum Yachthafen muss sorgfältig navigiert werden unter Motor. Im Hafen ist viel Platz. Vorwärts mit Mittelspring in Box. Achtung: die Boxen sind eher kurz. Wir kaufen Holzkohle (ca. 10 Min.) ein und Grillieren. 

10. Tag: Gedser – Boltenhagen, 9.20 – 18.00, 8h 40 m, 53,4 sm, max. 9.4kn

Sonnig, Prognose ENE 4-5, so ist es auch. 10.30 Gennaker gesetzt bei 4 Bf E, 14.06 Gennaker bergen wegen Ufernähe. Halse, raumschots mit Fock;  15.35 weitere Halse – wir setzen den Gennaker nicht mehr, da 5 Bf und Wellen. 

16.38: 0.4sm östlich Ansteuerungstonne. Östliche Umfahrung der Untiefe 3.2m, vor Kurswechsel auf platt Vorwind: Segel (nur Gross???) bergen. Wir fahren hinter die Untiefe bei Leuchtfeuer, um alles bequem für das Anlegen bereit zu machen. 

Anlegen längsseits auf Steg C3. Dies ist weit zu den Duschen. Es hätte näher bei den Duschen noch grün gekennzeichnete Plätze an den Schwimmstegen. 

11. Tag: Boltenhagen – Heiligenhafen, 10.05 – 17.59, 7h 54m, 37.5sm, 

Voraussagen: 3-4 Bf SE, aber wir hatten nur 1-2Bf SE. Bei Fahrwasser Offentief Gennaker gesetzt. Bald setzten wir den Motor ein, um etwas schneller zu fahren, ca. 4kn. Zeitweise nur 1 Bf aus SE. Am Steuer muss ich oft den Kurs wechseln und auch den Gennaker verstellen. Ziemlich heiss und Fliegenplage. Ca. 15.30 frischt der Wind schrittweise auf 2 Bf auf. Später 3 Bf. Motor ausschalten, gute Fahrt. Mit Gennaker unter Fehmarn – Brücke durch. Nach der Brücke dreht der Wind fast auf Ost. Wir müssen den Gennaker 0.5 sm nach der Brücke herunternehmen, da wir sonst in die Untiefe auf der Steuerbordseite fahren würden. Mit Fock und Gross bis Heiligenhafen.

12. Tag: Heiligenhafen – Spotsbjerg,  9.25 – 16.10, 6h 45M, 39.0 sm,  max. 10.2kn

Wir segeln unter Fock aus dem Hafen und ich erkläre, wie und wo wir das Gross setzen werden. Damit bin ich unaufmerksam und fahre ca. 5m über das Fahrwasser hinaus. Plötzlich sitzen wir bei 3kn Fahrt auf Grund. Rückwärtsgang und auf der gleichen Spur zurück aufs Fahrwasser. 

Sonnig, W 2-3 Bf, hoch am Wind. Nach einiger Zeit parallel zu Schweizer Yacht. Wir segeln nahe heran und sagen Hallo. 

Der Wind frischt auf. 11.30 WNW 4Bf, 14.00 WNW 4-5. 14.30: Wir fahren auf Kollisionskurs zu einem Frachtschiff, das mit 11 kn von rechts kommend fährt. Wir legen bei, um zu reffen. Der Frachter wird langsamer, sodass wir trotzdem noch Kollisionskurs haben und kräftig abfallen müssen. Bald setzen wir das zweite Reff. Der Frachter macht eine Kurve in die Tiefwasserrinne und kommt dort wieder auf Kollisionskurs. So fahren wir zuerst parallel zur Tiefwasserrinne: 9-10.2 kn Fahrt über Grund. Es hat eine leichte Strömung, sodass Fahrt durchs Wasser etwa 1 kn weniger ist. Der Wind frischt bis 7 Bf auf. Fock bergen auf Vorwindkurs, dann Gross bergen.

Hafenmanöver mit Eindampfen in Mittelleine. Es braucht recht viel Schub, damit der Bug nicht vom Wind auf die Seite getrieben wird. Auch wurden wir so ziemlich stark an den Leepoller gedrückt, sodass die Scheuerleiste etwas beschädigt wurde, weil sie morsch war. Mit der Mittelleine wurde ich zu fest abgebremst. Sie war auch etwas knapp in der Länge. Gut wäre es jeweils gleich auch die Heckleine luvseits zu legen und zügig an den Steg zu fahren. 

13. Tag: Spotsbjerg – Spotsbjerg: 37.7 sm

Beim Ablegen passe ich zu wenig hinten auf und fahre etwas in den Poller. Besser wäre es gewesen eine Mitteleine zu legen, damit ich langsam rückwärtsfahren kann trotz starkem Seitenwind, auch wären wir nicht gegen den Leepoller getrieben. 

Wir segeln bei WNW 5-6Bf, zuerst doppelt gerefft, halbwind entlang Langeland in Richtung Brücke. Nach ca. 1h  nehmen wir das zweite Reff weg, etwa 1 h später das erste Reff. Der Gegenstrom bremst uns ca. 1.5kn. Etwa 8.5kn Fahrt durchs Wasser. Einen Dreimaster sehen wir in 2sm Entfernung. 

Nach 19.5sm wenden wir. Wind hat etwas nachgelassen, wird aber bald wieder stärker. Wir segeln ohne Reff mit ca. 100° wahrer Wind mit bis zu 9.1 kn Fahrt durchs Wasser bei 5-6 BF. Um mehr Höhe zu machen setzen wir das 2. Reff. 6 Bf. und 55° wahrer Wind: 8.1kn (!). Erstaunlich wie stabil und wie schnell diese Yacht bei diesen Bedingungen läuft. Der Wind frischt auf 7 BF auf. Wir bergen das Gross und segeln nur mit Fock, immer noch 8kn. Das Gross zu bergen bei Amwindkurs ist schon eine Herausforderung für die Crew. Das Hafenmanöver mit Eindampfen in die luvseitige Mittelleine gelingt super. Ich werde nur minimal durch die Mittelleine gebremst, sodass wir zügig bis zum Steg fahren können. Der dritte Mann hat luvseits gleich auch die Heckleine gelegt, ebenso auch leeseits.

14. Tag: Spotsbjerg – Heiligenhafen, 38,7sm

 Prognosen W bis NW zuerst 8kn, ab 12.00 5 kn oder weniger. Wir entscheiden für die 38 sm um 6.15 loszufahren. Frühstück 5.30 Uhr. Trotz Gennaker machen wir nur 3-4kn Fahrt, dies bedeutet Ankunft um 17.00 Uhr. Nach ca. 1 ½ h bete ich: „Gott, es wäre lieb von dir, wenn du 1-2 Bf mehr schenken würdest.“ Nach einigen Minuten kommen stärkere und stärkere Böen. Nach etwa 1/2h haben wir 4-5 Bf, Speed 8-9kn. Mit dem Gennaker können wir den Kurs nicht halten. Ich gehe ans Steuer, um möglichst viel Höhe zu laufen. Nach ca. 2h meint Fredi, dass er auch gerne steuern würde, aber ohne Gennaker. Nach einer weiteren ½ h nehmen wir den Gennaker vor Fehmarn herunter und fahren immer noch 8kn halbwind. Gut, dass wir ihn heruntergenommen haben, denn der Wind frischt auf gut 5BF auf. Nach dem Flügge Sand müssen wir einen tiefen Raumschottskurs fahren, auch lässt der Wind etwas nach, sodass wir nur noch ca. 5 kn fahren. Ankunft Heiligenhafen ca. 13.00 Uhr zum Tanken.